Der Kommunikations-Panda

Zaterdag 20 oktober 2018
Was hat Kommunikation mit einem Panda zu tun?
 
Neulich war ich bei einer Informationsveranstaltung für niederländische Unternehmer in Kleve.
Das Thema war "Rechtsformen von Unternehmen in Deutschland" mit dem Hauptaugenmerk auf ‚GmbH‘. Das ist nicht ganz mein Duitslink-Thema, aber in jedem Beruf, so finde ich, ist multidisziplinäres Wissen kombiniert mit einem guten Netzwerk sehr wertvoll für die eigene Arbeit und kommt folglich auch meinen Kunden zu Gute.
 
Umtrunk mit Pläuschchen
 
Nach der Präsentation ist immer auch Zeit um etwas zu trinken und andere Teilnehmer kennen zu lernen. Während eines Gespräches fragte ein Herr mich, welches denn der häufigste Fehler sei in der Kommunikation zwischen deutschen und niederländischen Geschäftspartnern.
Ich war einige Denksekunden lang still, denn ich denke nicht in Fehlern und ich zähle sie auch nicht. Fehler sind für mich eher Symptome von etwas was nicht unmittelbar sichtbar ist. Natürlich kenne ich typische, sich wiederholende Reibungspunkte. Aber dennoch lag mir diese Frage etwas quer im Magen und ich wollte sie nicht einfach so beantworten. Vom Kopf her ist es eine Frage, die ich absolut nachvollziehen kann, dass sie in jemandem aufkommt. Also, was spür ich da?

Spüren! Spüren passiert im Körper. Fehler in Interaktion passieren, weil Menschen gern und oft in ihrem Kopf verweilen, zu viel und dann auch zu kompliziert denken oder davon ausgehen alles genau zu wissen. Genau dann entstehen die sogenannten Fehler.
 
Raus aus dem Kopf, hinein in den Körper!

Ein Fehler ist ein Symptom. Interessant ist die Ursache darunter. Denn wenn man das darunterliegende erkennt und anspricht, erreicht man grundsätzliche Veränderung. Ich möchte dir also nicht sagen, was der häufigste Fehler ist zwischen deutschen und niederländischen Geschäftsleuten. Ich möchte dir sagen, was ich in der Schicht darunter häufig entdecke:
 
Überzeugung versperrt die Sicht

Dort versteckt sich häufig die Überzeugung zu wissen wie der andere funktioniert. Deutsche sind immer so und so und Niederländer immer so und so.
Und wenn unser Kopf davon ausgeht, ultimativ zu wissen, wie der andere tickt, dann entgeht der Wahrnehmung, dass dieses Bild vom anderen nicht stimmt. Dann kommt es zu strubbeligen Gesprächssituationen.
 
Mensch im Panda-Anzug

Kennst du das Experiement, in dem Studenten die Aufgabe bekommen sich ein Theaterstück anzuschauen? Am Ende der Vorstellung kam jemand auf die Bühne und fragt: "Wer hat den Menschen im Panda-Anzug im Hintergrund über die Bühne laufen gesehen? Und wie oft?"
Ich kann die erzählen, akum jemand hat den Panda gesehen. Wir sehen es nicht, wir bemerken es nicht. Denn es gehört nicht zu unserer Überzeugung, dass bei diesem Theaterstück jemand im Panda-Anzug über die Bühne laufen könnte. Es passt nicht in die Schublade 'Theaterstück'. 
 
Nützliches Wissen versus Panda-Mensch

Natürlich ist es nützlich zu wissen, wie der durchschnittliche Deutsche, der durchschnittliche Niederländer tickt. Sobald du dein Wissen als die eine Wahrheit akzeptierst und hantierst, kann dein Wissen zum Hindernis werden. Es steht dort direkt vor deiner Nase und versperrt die Sicht!
Der Gesprächspartner sitzt dann in deiner Schublade und die ist fest verschlossen. 

Die meisten Menschen sind nicht Durchschnitt, sondern bewegen sich munter rechts und links davon, darüber und darunter.
5 + 4 + 3 = 12
12 : 3= 4
Der Durchschnitt ist also 4. 2 fallen also durch das Raster. Kannst du mir folgen? 

Was hat Kommunikation also mit einem Panda zu tun? Alles! 
Das Unerwartete sehen und wahrnehmen lässt dich deinen Gesprächspartner wirklich sehen und Vertrauen aufbauen. 

So hab ich z.B. ein Gespräch zwischen 2 Geschäftsleuten miterlebt: Der Niederländer ganz und gar 'Schublade: legerer Holländer' und der Deutsche ganz und gar 3-teiliger Anzug. Bis hier vermutlich alles wie 'Durchschnitt'. Der Deutsche reichte dem Niederländer zur Begrüssung die Hand und bot direkt das Du an. Huch! Der Niederländer nickte zustimmend und Siezte den Deutschen während des gesamten Gespräches. 
In der Schublade 'typisch Deutsch' existierte ein Duzen nicht. Der Niederländer nickte zwar, verarbeitete aber nicht, was ihm da angeboten wurde. 
Kleinigkeit? Mit Nichten. Der Gefühlswert, die Konotation des Duzen/Siezen kann Nähe und Vertrauen hervorrufen und ebenso Distanz. Letzteres ist hier passiert. 

Möchtest du auch eine aufrechte, offene Geschäftsverbindung zu deinem niederländischem Geschäftspartner? Möchtest du, dass dein Geschäftspartner sich gesehen fühlt? 

Ich helfe dir den Panda zu sehen! 

Und ja, natürlich können wir einander auch Siezen. 
 
 P.S.: Dachtest du auch an einen schwarz-weissen Panda? (s. Foto)