Duitslink hat Geburtstag!

Donderdag 16 februari 2017
Duitslink wurde Mitte Februar 2014 gegründet... plötzlich fiel mir ein, dass ich mein Unternehmen an Omas Geburtstag bei der KvK (niederländische IHK) angemeldet habe. Sie wäre jetzt 93 Jahre alt geworden! Kein anderer Tag wäre besser geeignet gewesen als dieser! Herzlichen Glückwunsch, Oma!

Was Oma mit Duitslink zu tun hat 
Meine Oma ist schon seit rund 20 Jahren nicht mehr da und doch hat sie viel damit zu tun, dass ich bin wie ich bin und Duitslink gegründet habe.
Oma war eine besondere Frau. Sie lebte bescheiden in einer Bergbausiedlung im Ruhrgebiet. Sie hatte keine Heizung, der Kohleofen war prima und der Kaffee war ab und zu recht dünn. „Bodenseh-Kaffee“, sagte sie dann schmunzelnd. Dennoch hat sie das was sie hatte immer geteilt, nach dem Motto: Platz ist in der kleinste Hütte. Sie klagte nur selten und wenn, dann zu Recht. Sie hat ihr Leben lang hart gearbeitet, 7 Kinder groß gebracht und musste mit einer kleinen Rente leben. Das fand sie nicht fair. Ich auch nicht. Ehrlichkeit und Fairness war uns wichtig, ist immer noch wichtig. 
Jeder konnte zu jeder Zeit einfach so reinlaufen, am Küchentisch sitzen, Bodenseh-Kaffee trinken und sich mit Oma unterhalten. Manchmal saßen Menschen am Tisch, die sich gar nicht kannten. Oma brachte verschiedenste Menschen zusammen. Im Grunde sprach sie nicht viel. Aber wenn sie etwas sagte, dann traf es den Punkt. Beginnend mit „Mädchen, genieß dein Leben!“, „Mach dir keinen Stress,“ bis zu „Zerbrich dir nicht den Kopf anderer Leute!“ Sie sorgte dafür, dass ein jeder seine sogenannten Probleme ernst nahm aber zugleich auch relativierte. Heute würde ich sagen, sie hatte Sicht auf Detail und auch Helicopterview.

Oma sah den Menschen, nicht die Fassade.

Ich wohnte einige Zeit bei Oma. Im Grunde war ich das 8. Kind. Eines Tages kam ich nach Haus und wollte ihr eine Freundin vorstellen. Die Freundin war recht farbenfroh mit ihrem grünen Haar. Ja, es waren die 1980’er . . . So bunt wie sie war, genauso schüchtern war sie auch. Bei Eltern anderer Freunde und Freundinnen hatte sie Abweisung erlebt. Daher wollte sie nicht mit rein kommen. Wenn die Generation der Eltern schon intolerant auf grünes Haar reagierte, was sagt dann eine Oma? Es war ihr sichtlich unangenehm, als ich sie dennoch in die Küche zog.
Später, als ich wieder allein mit Oma war, fragte ich sie, wie sie Stef fand. „Nettes Mädchen, denk ich,“ sagte Oma. Natürlich war sie nicht farbenblind, sie hatte nur mehr Auge für den Menschen als für die Fassade. Unzählige kleine Situationen hatte ich erlebt mit Oma.

Ich denke, sie wusste nicht, wie weise sie war.

“Jeder ist so wie er ist.” Auch wieder so ein Oma-Satz. Hinter diesem Satz verbirgt sich so einiges.  
Und darum funktionieren für mich Tipps & Tricks, Top-10-Geschäfte-machen-mit-Niederländern usw. auch so gut wie gar nicht. Wir wollen weder Kunststücke lernen noch uns selbst verdrehen. Langfristig macht uns das unglücklich und lässt uns nicht authentisch sein.

 Viele Menschen glauben, dass sich anpassen, an anderer Menschen Gewohnheiten und Umgangsformen, die Lösung überhaupt ist. Aber kann das überhaupt funktionieren?

Viele Menschen glauben jedoch, dass das Anpassen, sich verdrehen, die Art und Weise des anderen anlernen die perfekte Lösung ist für eine glatt laufende Geschäftsbeziehung über alle Grenzen hinweg.
Mal ehrlich, wie soll das gehen? So sehr sie auch Ihr Bestes geben, Ihre Wurzeln und Herkunft bleibt ein Einflussfaktor, ihre einzigartigen Erlebnisse haben Sie geprägt und das ist gut so. Ja, natürlich ist es wichtig zu wissen wo die Unterschiede sind, wie möglicher Weise der andere tickt, was die Gewohnheiten und Umgangsformen sind. Ein Stück weit ist es auch gastfreundlich diese zu berücksichtigen.

Schauen wir mal zu Kultur und Umgangsformen: En Land hat eine Kultur, per Region gibt es Unterschiede (denken Sie z.B. an Bayern und NRW), von Ort zu Ort gibt es unterschiedliche Gpflogenheiten, Generationen haben Unterschiede und auch Familien. Das spiegelt sich wider in Organisationen und Unternehmen. Wie möchten und können sie sich hier anpassen? Und woran an der Palette der Kulturnuancen genau?

Wenn ich z.B. in Gelderland (denken Sie an Arnheim, Nimwegen...) zu einem Geburtstag gehe, dann weiß ich, dass ich wahrscheinlich der ganzen Familie gratulieren werde. Das wird ziemlich viel Wangen-Küsserei (schön, dass meine Autorkorrektur hier Käserei von Küsserei machen möchte, Bemerkung d. Red.). Einige Kilometer weiter in Brabant, wo ich nun lebe und arbeite, schüttele ich eher Hände, ab und zu umarmen. Oder denken Sie an Weihnachten. Wie schaut das bei ihnen aus? Innerhalb meiner Familie und im Freundeskreis in NRW fallen mir direkt 3 verschiedene Arten ein wie dort Weihnachten gefeiert wird.

Förmlichkeiten, auch ein zurückkehrendes Thema. Sie oder Du?

Wenn Sie diesen Blog auch auf Niederländisch lesen können, werden Sie bemerken, dass ich die andere Version in der Du-Form geschrieben habe. Das tue ich nicht immer, aber recht häufig. Hier duzt man eben schnell. Allerdings habe ich vorlanger Zeit bemerkt, dass die Konnotation von Du und Sie sehr unterschiedlich interpretiert und erfahren wird.

Jemanden zu duzen oder zu siezen sagt nicht automatisch etwas über die Beziehung aus. Ich kann jemanden siezen und zugleich ein besonders lockere Geschäftsbeziehungen unterhalten.

Hier in den flachen Landen wird von der Reinigungskraft bis zur Direktorin in Unternehmen meist geduzt. Es sagt absolut nichts über die Beziehung der Gesprächsteilnehmer aus. Ich habe deutsche Kunden, die ich Sieze und wir umarmen uns herzlich zur Begrüßung. Ich denke hier gern an sachliche Gespräche mit den Themen Oktoberfest, Einhörner und Batman. Ich habe niederländische Kunden, die ich duze und wir schütteln freundlich die Hand. ‚Du‘ und ‚sie‘ haben verschiedene Wertigkeiten. Nicht nur per Land, sondern auch schon mal per Gespächstpartner.   
 
Deutlich? Sie sind bereits die Version von sich selbst.
 
Vereinbaren Sie ein Kennenlernen! Bitte mit Kaffee ohne Bodensicht.