Ein HSP'er auf einem TOOL Konzert

Woensdag 26 juni 2019

Als HSP’er auf einem Metal Konzert

 
Über HSP wird viel geschrieben. HSP für Kinder, Angestellte, Eltern ... nenne was und es ist dabei.
HSP‘er sind die Leute, die, diagnostiziert oder nicht, sagen, sie seien sensibler als andere, sogar hochsensibel!
 
Wenn du hochsensibel (oder hochsensitiv) bist, könntest du meine Wortwahl auffassen, als ob ich bezweifle, dass es das Phänomen HSP überhaupt gibt. Nichts ist weniger wahr als das! Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es ist, eine ‚Highly Sensitive Person‘ (kurz: HSP) zu sein. Schon in meiner Jugend begann ich mich damit zu befassen, ohne den Begriff HSP überhaupt zu kennen.
Wie oft hab ich wohl diese Sätze gehört“, du auch?:
 
“Du bist zu empfindlich.”
“Schaff dir ein dickeres Fell an.”
“Nein, das ist nicht wahr was du fühlst.”
“Was für ein Blödsinn! Es ist nicht kalt, warm, laut …. “
“Leg nicht jedes Wort auf die Goldwaage!”
 
Während meiner ganzen Jugend dachte ich, mit mir stimmt etwas nicht. Bis ich eines Morgens die Eingebung hatte, meine Sensibilität als Qualität, als eine Art Superkraft zu sehen. Und nicht als etwas, das man ‚weg machen‘ muss.
 
Als der nächste Erwachsene etwas wie "Du bist zu empfindlich" zu mir sagte, erwiderte ich mit dieser neuen Erkenntnis und der damit verbundenen Selbstsicherheit: "Vielleicht solltest du lernen, mehr zu fühlen! Trau dich mal."
 

Fühlen is mutig!


Um mehr zu fühlen, braucht es Mut. Also begann ich die "großen Leute" zu ermutigen, mehr zu fühlen. Das verlief natürlich nicht immer erfolgreich. Aber zumindest ließen sie mich mich selbst sein.
 
Zurück zu meiner neuen Superkraft: Superkraf braucht sich nicht zu verändern. Es ist allerdings hilfreich zu lernen, wie man damit umgeht, wie man sie sinnvoll einsetzt und wie man sich davor schützt, nicht erschöpft zu sein. Letzteres dauerte mehrere Jahre.
 

HSP - Was ist das nu wieder?

HSP steh für: Highly Sensitive Person

 Für diejenigen, die dies lesen und nicht wissen, was dieses HSP eigentlich ist, hier eine kurze Zusammenfassung:
 
Wir alle hören, sehen, fühlen, bewegen, riechen. Und es gibt ein durchschnittliches Maß dafür, wie jeder all diese Eindrücke aufnimmt, wahrnehmen und verarbeitet. Ein hochsensibler Mensch (HSP) erfährt all diese Reize oder zumindest teilweise viel mehr, intensiver. Wenn der Durchschnittsmensch eine Limo trinkt, dann ist dieselbe Limo für den HSP’er wie Sirup.

Das ganze ergibt Qualitäten und Fallen. Wenn du zum Beispiel mehr Eindrücke verarbeitest als andere, wirst du auch schneller müde. Da so jemand aber mit dem Rest der Herde mithalten will, überschreiten sie immer wieder die eigenen Grenzen, meist ohne es zu merken.
Am Ende bist du nicht nur müde, sondern auch erschöpft. Und irgendwann hast du deine Grenzen so sehr  vernachlässigt, dass du sie gar nicht mehr erkennst. Deine Intuition hat aufgegeben Signale zu senden.
Und tadaaa: Der hochsensible Mensch spürt seine eigene Grenze weniger bis gar nicht.
Schönes Paradoxon
 

Achtung! Achtung! Falle in Sicht!

 
Die Falle, die mir am häufigsten begegnet und die ich selbst erlebt habe, ist, dass HSP’er interpretieren. Du betrittst als HSP’er einen Raum und spürst sofort Spannung.
Großartig! Gut wahrgenommen. Jetzt stoppen!
Die meisten HSPs Stoppen nicht. Sie machen weiter und in ihren Köpfen entstehen wilde Geschichten, über die Quelle der Spannungen  und was sie daran  ändern können. Schlechtesten falls fühlst du dich jetzt für das Glück und Unglück der anderen verantwortlich. Welch eine Last!
 
Ich erinnere mich noch, wie ich mich fühlte, als ich das erste Mal in einen volles Saal einer Trauergesellschaft trat. ich kannte nicht einmal den Verstorbenen und doch schien mir die Traurigkeit und der Verlust der Anwesenden wie eine mega hohe Welle, auf die ein passionierter Surfer sein Leben lang wartet. Ich will diese Welle nicht.
 
Passiert dir das alles als schon Kind und kein Erwachsener ist da, der dich hier unterstützen kann, ist die Chance da, dass du dich schuldig fühlst. Du kannst diese Emotionen nicht einordnen in dem Alter. Du entwickelst ein Schuldgefühl und weißt nicht einmal, wofür du dich schuldig fühlst. Das erleben übrigens viele Kinder, wenn sie den Streit Erwachsener nicht verstehen. Sie fühlen sich verantwortlich und schuldig.
 

Ein undefinierbares Gefühl von Schuld


Dieses Muster nimmst du mit ins Erwachsenalter. Fühlst dich immer mal für irgendetwas schuldig. Ein Streit, der umfallende Sack Reis, der unglückliche Partner… Du bekennst dich schuldig, ob du es nun aussprichst oder nicht. Erkennst du das?
 
Dann ruf mich an oder wenn es dir gelingt:
Nimm wahr, was und wo in deinem Körper du fühlst. Nicht interpretieren. Nur wahrnehmen.
 
Andere HSP-Menschen nehmen akustische Eindrücke und Gerüche stärker oder intensiver wahr, fühlen sich fast durchgehend wie in einem "Duftladen". Ich gehöre dazu. Meine Nase ist ziemlich empfindlich, was auch mal recht nützlich sein kann. Ich war mal die einzige, der auffiel, dass es in der Küche nach Gas riecht. Meine Oma vertraute darauf und überprüft das. Und ja ... 

 ... nichts passiert!
 
Einige HSPs können auch mehr Details auf einen Blick erkennen als andere. Hierdurch mache ich zum Beispiel besonders schöne Fotos von Details, die andere gar nicht sehen. Allerdings kann diese Fähigkeit auch ganz schön ablenken, wenn ich gerade an etwas anderem arbeite.
 
Visuell, auditiv, taktil-kinästhetisch, olfaktorisch ... HSP oder nicht HSP. Es spielt keine Rolle! Die Kraft liegt darin, die Fähigkeit zu entwickeln, Fokus zu behalten und sich bewusst zu entscheiden, ob du dich in allen Eindrücken verlieren möchtest und wann es Zeit ist die individuelle Firewall einzuschalten!
 
Firewall off!
 
…jetzt aber zum Konzert:
 
Letzte Woche waren wir bei einem TOOL-Konzert in Amsterdam. Das Konzert in Ziggo Dome war innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Ich aus der Wahrnehmung eines HSP’ers zu teilen, wie ich dieses musikalisch und visuell einzigartige Konzert erlebt habe.
 
Übrigens habe ich 2 Tage gebraucht, um mich zu erholen. Ich sehe es als Nachgeniessen.
SetYourMind
 
Los geht’s:
 
Ich komme herein und bin sofort von Leuten umgeben, die überwiegend größer sind als ich. Ich rieche Parfums, süß, kräuterig, sogar Patschuli nehme ich wahr. Das erinnert an die 1980er Jahre. Aber ich bleibe hier. Hier und jetzt. Nicht in die Vergangenheit gehen. Ohw .... und da rieche ich schon einen Joint und bin ganz im Saal. Die 3. Person neben mir benutzt kein Deo.
 
Ich spüre, wie sich mein Trommelfell bewegt ... so schnell ... trotz Ohrstöpsel. Die benutze ich zum ersten Mal bei einem Konzert. Es scheint, als wäre jede Zelle meines Körpers eine Art Trommelfell. Ich fühle die Bässe unter meinen Füßen und unter meinem Brustbein am intensivsten, aber eigentlich überall ... Wenn es ein akustisches Kaleidoskop gäbe, wäre ich jetzt eines. Rhythmisch, dann plötzliche Veränderung des Zeitmaßes. Typisch Tool, unerwartete Sequenzen. Ich mag das. Ich fühle mich lebendig!
 

Mein ganzer Körper ist plötzlich eine Art Cajon, alles pulsiert!

 
Ich höre und fühle gnadenlos laute Töne, dann wieder flüsternd, leise und feinfühlig. Manchmal fühlte ich Zynismus, der vielleicht auch mit den Texten zu tun hat, die ich natürlich auch unbewusst verarbeite. Aber ich bin nicht sicher, weil ich nicht interpretiere. Raus aus dem Kopf bleiben! Ich lausche, ich beobachte. Pur. Hier. Jetzt.
 
Mein Körper scheint alle Emotionen von einfach bis extrem kompliziert aufzunehmen und zu verarbeiten. Geschwindigkeits- und Größenänderungen der Band tragen zweifellos dazu bei. Nicht einfach, aber eine tolle Erfahrung.
 
Die Leute um mich herum amüsieren sich, sind fröhlich, das spüre ich. Das sehe ich. Ich höre auch ihre Stimmen. Einige singen mit.
 
Ich schaue zwischen den Schultern hindurch Richtung Bühne. Nehme alles auf, was ich sehe! Die visuelle Show mischt sich mit dem was ich höre, fühle … Gelegentlich gerate ich in eine Art Trance, herrlich.
Wenn ich mich umsehe, bin ich nicht die einzige hier.
Auf der Bühne zeichnet sich eine Art Weltuntergangsszenario auf großen Tüchern, 3 Lagen tief ab, was sich mit der Freude vermischt, dass die Welt noch existiert, wenn wir nach später nach draußen gehen. Dann fühle ich mich so erleichtert, dass es sich fast kitschig gerührt anfühlt.
 
Ich fühle mich wie ein Kind auf der Kirmes. Alles kommt von allen Seiten auf mich zu! Ich habe keine zusätzliche Antenne, um alles aufzufangen. Nein, ich habe ein XXL-Satellitenschüssel, um nichts zu verpassen. Großartig! Ich bin begeistert! Fühle mich eins und verbunden mit allen.
Grenzen verschwimmen. Sehr kurz. Dann bin ich wieder ich. Zum Glück. Wer soll ich auch anders sein?
 
2 Stunden später sind wir wieder im Auto auf dem Heimweg. Ich bin froh, dass ich nicht fahren muss und schlafe zufrieden und voller Eindrücke ein.
 
 
Für mein Mental Coaching ist es unerheblich, ob du hochsensibel bist oder nicht. Fühlst du dich schnell überfordert, überreizt? Bist du schnell müde und nimmst deine Grenzen nicht wahr? Dann helfe ich dir aus einer hoch Sensitivität ein ‚High Super Power‘ zu machen!
(Wenn es dir lieber ist, können wir uns gern Siezen.)

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Meine Praxis ist in Grave, nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Für Interessierte, die von weit kommen, biete ich UrlaubPlus an. Du verweilst eine Woche oder länger wie im Urlaub in Grave, genießt den Abstand vom Alltag, die Natur und Ruhe, abwechselnd mit Coaching und Mentor-Spaziergängen.